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25.11.2011 von Kay Pabst | Autor: Helge Kister | Zeit: 77 Minuten

Eisenvater im Interview

Auch wenn der Name und ein erster Höreindruck so klingen mag, Eisenvater verstehen sich nicht als Metalband. Zu konservativ besetzt ist der Begriff, zu verschieden der musikalische Background und Einfluß der Musiker. Der Hamburger Vierer verfolgt vielmehr „… das Ziel, mittels elektrogitarrenlastiger Rockmusik ein monumental-intensives Hörerlebnis zu schaffen und versteht sich selber als laut und zornig, aber ambivalent und als stets unterhaltendes Bollwerk gegen Spießertum, Humor- und Lieblosigkeit …“. Da werden dann gerne auch mal Songs mit „Fleischgeld“, „Botox“ oder „Dingdong, die Hexe ist tot“ betitelt; da heulen auch mal Gitarren wie Werkssirenen, hämmert das Schlagzeug einen stumpf-brutalen Maschinenrhythmus oder eingängige Melodien werden mit leierndem Vibrato konterkariert. Gegründet wurde die Band im April 1990 von den beiden Gitarristen und Vokalisten Markus E. Lipka und Jim Sudmann. Der Schlagzeuger Jörg Grzedzicki und Bassist Marek Gibney vervollständigen das Quartett. Die Suche nach einem geeigneten Plattenlabel gestaltet sich aufgrund der deutschen Texte als schwierig. 1992 veröffentlicht dann das süddeutsche Hardcorelabel We Bite Records das Debütalbum „Eisenvater“. Es folgt eine erste Deutschlandtour. Noch im selben Jahr verlässt Grzedzicki die Band. 1993 erscheint „Eisenvater II“ die mit Peter Bellendir am Schlagzeug einspielt wurde. Dieses Mal verlässt Gibney die Band. Das verbliebene Trio nimmt 1995 „Eisenvater III“ auf. Die Bassparts werden von Lipka eingespielt. Es folgen wieder Gigs in Deutschland, dem benachbarten europäischen Ausland und sage und schreibe ein Auftritt in den USA! Für die Liveauftritte wird der Bassist Marco van Basten verpflichtet. Ab Mitte 1996 pausiert die Band. Bellendir - diesmal an der Gitarre - , Lipka und Sudmann widmen sich verstärkt ihrem seit 1992 bestehenden Elektrogitarrenorchester. Fünfzehn Gitarren, verstärkt durch Bass und Schlagzeug schichten Sounds übereinander. Das Ergebnis nennt sich „Rossburger Report 2“ und erscheint 1997 auf Strange Ways Records. Im April 2002 reaktivieren Sudmann und Lipka Eisenvater und arbeiten an neuem Material. Waren die ersten drei Alben noch analog in den Soundgarden Studios und den NHB Studios in Hamburg aufgenommen worden, entschloßen sich die Musiker nun, das neue Material digital im Übungsraum mitzuschneiden. Mehrere Versionen des neuen Albums werden mit Stefan Gretscher am Bass - der 2003 zu der Band gestoßen ist - und programmierten Drumtracks eingespielt und wieder verworfen. 2005 ist dann mit Johannes „Hännsen“ Schäfer auch wieder ein geeigneter Schlagzeuger gefunden. Die endgültige Version des neuen Albums wird aufgenommen. Im Jahre 2009 erscheint zunächst eine Split-EP mit Japanische Kampfhörspiele auf Power It Up Records, dann wird auf Unundeux endlich „Eisenvater IV“ veröffentlicht. Im folgenden Jahr stehen einige Auftritte in heimischen Gefilden an, von denen zumindest der Gig im hiesigen Chez Heinz ausfällt. 2011: Eisenvater schreiben und Proben neues Material. Wir schreiben den 24. Sonntag des Jahreskreises Anno Domini 2011. Der Vater verlässt sein Mutterland gen Pippinsche Schenkung. Ich stehe gegen 20 Uhr vor dem Musikbunker am Sievekingdamm in Hamburg. Flankiert wird die klotzige Betonfassade mit Überwachungskamera und Securitasemblem von einer Spielhölle und einer Dönerbude. Nach einigen Minuten wird mir die Tür geöffnet. Klein, kurze Haare, Brille, Spitzbart, Ohrringe, sonore Stimme und rauer Händedruck: Markus E. Lipka. Wir betreten das zweite Weltkriegsrelikt. Innen ist es klinisch rein. Keine Graffitti an den Wänden, kein Müll auf dem Boden. Es gibt Fahrradstellplätze und ein schwarzes Brett. Jede Tür die wir passieren, gleicht der nächsten. Spion und Vorhängekette - Mißtrauen und Anonymität. Vereinzelt ist Musik zu hören. Im Hintergrund rauscht die Lüftungsanlage die auch während des anschließenden Interviews beständig zu hören sein wird. Raumschiffatmosphäre statt Bombennächte… Der Raum in den ich gelotst werde, ist ein Schlauch von geschätzten zwanzig Quadratmetern mit Karton an den Wänden, Sitzecke im vorderen Drittel. Aus einer Anlage tönt Mastodons neues Album „The Hunter“. Die hinteren zwei Drittel des Raumes werden von drei Verstärkertürmen und einem Drumset dominiert. Dies ist Eisenvaters derzeitige Heimat.

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