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Kometensplitter- Interviews mit Frauen in Nicaragua

26.07.2013

Katja Ullmann, geboren 1968 in Dresden, arbeitete von 2000 bis 2005 in Managua und begegnete während dieser Zeit vielen verschiedenen Frauen mit interessanten Biografien. "Frauen sind der Dreh- und Angelpunkt der Familien in Nicaragua", sagt sie, und "erzählen gern und freimütig." Daher war sie irgendwann nicht mehr ohne Aufnahmegerät und Kamera unterwegs. Ihr Buch "Kometensplitter" spiegelt einen Ausschnitt dieser Reise durch Frauenrealitäten in Nicaragua wider. Sechs Frauen in Nicaragua stellt Katja Ullmann in ihrem Buch vor: Nineth - eine Musikerin; María Therea - eine Ingenieurin, die in der DDR studiert hat; Lillian - eine US-Amerikanerin, die sich als Internationalistin an der Seite der SandinistInnen mit der Waffe in der Hand gegen Contraüberfälle verteidigte; Elisabeth - eine schwäbische Rentnerin, die in Nicaragua ein Bücher-Bus-Projekt initiierte; Carmen - eine Heilpraktikerin und María Elena - eine insbesondere auf Frauenrechte spezialisierte Rechtsanwältin.
Am 19. Juli 1979 gelang es der sandinistischen Befreiungsfront, das Somoza-Regime, eine der ältesten Diktaturen auf dem amerikanischen Kontinent, zu stürzen und eine Reihe tiefgreifender sozialer Veränderungen auf den Weg zu bringen - eine Agrar-, Gesundheits- und Bildungsreform. In einer nur fünfmonatigen Alphabetisierungskampagne konnte die Analphabetenrate von fast 50% auf 12% gesenkt werden. Aber international gab es nicht nur Sympathie für die SandinistInnen: Die Regierung der USA verhängte eine Wirtschaftsblockade gegen Nicaragua und verminte wichtige Häfen. Die Reagan-Administration unterstützte militärisch und finanziell eine konterrevolutionäre Bewegung, die das Land in den Bürgerkrieg stürzte und 30.000 Menschen das Leben kostete, die Hälfte KämpferInnen und die andere Hälfte ZivilistInnen. Bei den Wahlen 1989 bekam die FSLN aufgrund der dramatischen Situation im Land nur noch etwa 40% der Stimmen und die Vertreterin der vereinten bürgerlichen Opposition, Violeta Chamorro, wurde Präsidentin. Nach 3 konservativ-neoliberalen Präsidentschaftsperioden ist seit 2007 Daniel Ortega für die FSLN wieder an der Regierung, der allerdings mit den ursprünglichen Postulaten der sandinistischen Revolution nicht mehr viel zu tun hat, sondern nun selbst Teil der Oligarchie im Lande ist. Zwar verfolgt seine Regierung außenpolitisch einen eher demokratisch-antiimperialistischen Kurs und ist Mitglied in der bolivarianischen Bewegung ALBA. Innenpolitisch jedoch hat sich an der neoliberalen Wirtschafts- und Sozialpolitik wenig geändert, die soziale Ungleichheit wächst und der Einfluss der katholischen Kirche - ehemals Erzfeindin der sandinistischen Bewegung - nimmt stetig zu, was besonders katastrophale Auswirkungen für die Frauen hat. Dank Ortegas Kniefall vor der reaktionären Kirchenhierarchie herrscht in Nicaragua ein totales Abtreibungsverbot, sogar im Fall von Vergewaltigung und erheblichen Gesundheitsrisiken für die werdende Mutter. Aber die Frauenbewegung in Nicaragua ist recht aktiv und kreativ in ihrem Protest gegen die patriarchalen, autoritären Strukturen in Staat und Gesellschaft.

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